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Werkstattbericht: Mein Buch im Lektorat – was diese Phase mit mir macht

  • 14. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Ein persönlicher Einblick in eine besondere Etappe


Sigrun Römers Schreibtisch mit aufgeschlagenem Buch, Notizbuch und Kaffee – die Denkwerkstatt während der Lektoratsphase
Sigrun Römers Schreibtisch mit aufgeschlagenem Buch, Notizbuch und Kaffee – die Denkwerkstatt während der Lektoratsphase

Seit vierzig Jahren begleite ich Unternehmen durch ihre stärksten und ihre dunkelsten Stunden. Über zehntausend Turnarounds. Sechs Phasen unternehmerischen Lebens, von der ersten Entscheidung bis zum Loslassen. Und jetzt sitze ich selbst an einer dieser Schwellen.

Mein erstes großes Wirtschaftsbuch ist seit Ende April beim Verlag im Lektorat – nach meinem ersten Buch Das Wohlstandsprinzip. Im Herbst wird es erscheinen. Es trägt einen Titel, der mich noch immer überrascht, wenn ich ihn ausspreche: „10.000 Turnarounds – Was die Insolvenzverwalterin weiß. Die Erfolgsformel für jede Unternehmensphase."

Und ich lerne gerade eine neue Facette kennen: Loslassen ist eine eigene Disziplin.


Die Phase, von der niemand spricht

In Schreibratgebern liest man viel über das Schreiben selbst. Über das Strukturieren, das Disziplinieren, das Durchhalten. Wenig liest man über das, was danach kommt: die Phase, in der das Manuskript nicht mehr nur deins ist.

Version 14 habe ich am 23. April abgegeben – mit allen Kapiteln bis zum letzten Unterabschnitt 6.14 und sämtlichen Anhängen. Vierzehn Versionen – das klingt nach Perfektionismus, aber es war die ehrliche Arbeit, ein Buch reifen zu lassen. Jetzt ist es bei meinem Verleger Georg Hodolitsch und seinem Team. Aktuell liest der Redakteur des Verlages. Danach geht es zurück zu mir bis Ende Juni. Lektorat, Korrektorat, Satz, Cover, Druckvorbereitung – jede Etappe ein eigenes kleines Loslassen.

Und ich? Ich habe mich verändert in diesen Monaten, seitdem die Idee zum Buch vom Verlag an mich herangetragen wurde – ein Jahr nach meinen Keynotes auf der CONTRA in Düsseldorf und Greator in Köln 2025.


Was Loslassen mit einer Autorin macht

Ich dachte, ich wäre erleichtert. Bin ich auch. Aber unter der Erleichterung sitzt etwas anderes – eine Art Schwebezustand, den ich aus der Beratung kenne, wenn Mandanten zwischen zwei Lebensphasen stehen. Die alte Phase ist beendet, die neue noch nicht greifbar. Dazwischen liegt: Vertrauen.

Genau dieses Vertrauen ist es, das ich in meiner Arbeit so oft von Unternehmerinnen erbitte und mir erarbeite.

„Vertrauen muss man sich verdienen" – ein Satz, den mich meine oft traumatisierten Mandanten und Kaufleute gelehrt haben. Vertrauen, dass die Hände, in die wir etwas geben, gute Hände sind. Vertrauen, dass das Werk auch dann weiterlebt, wenn wir nicht jeden Pinselstrich kontrollieren können.

Im Lektorat zu sein bedeutet: Die letzte Etappe gehört nicht mehr mir allein. Andere lesen, prüfen, hinterfragen, schlagen vor. Und das ist gut so.


Was das Buch erzählt

In sechs Phasen begleitet das Buch unternehmerisches Leben:

1.      Gründung – die erste Entscheidung

2.     Wachstum – wenn aus einer Idee ein Unternehmen wird

3.     Reife – wenn Strukturen tragen müssen

4.     Wendepunkt – die Schwelle, die viele „Krise" nennen

5.     Übergabe – Nachfolge als menschliche Disziplin

6.     Loslassen – das, woran sich entscheidet, was bleibt

In jeder Phase gibt es das, was ich Erfolgszäsuren nenne: Punkte, an denen alles kippt oder trägt. Ich beschreibe sie nicht als abstrakte Theorie. Ich erzähle sie als das, was sie sind: Geschichten von Frauen und Männern, die ich begleitet habe. Anonymisiert, aber wahr.

Und ich beschreibe etwas, das ich erst beim Schreiben für mich so klar formuliert habe: Die meisten Unternehmenskrisen sind vorhersehbar. Nicht im Nachhinein, sondern vorher. Die Muster lassen sich erkennen, bevor sie Schaden anrichten. Und genau wie Krisen lassen sich auch die Erfolgszäsuren erkennen – sie wollen nur gelebt werden.


Mein Leitsatz: „Krise neu denken – Zukunft gestalten."

Was ich gerade selbst lerne

Während ich darauf warte, dass die ersten Lektoratsrückmeldungen kommen, sehe ich genau das Prinzip, das ich im Buch beschreibe, in mir selbst wirken: Antifragilität.

Antifragilität ist nicht das Gleiche wie Resilienz. Resilient zu sein heißt: nach einem Schlag zurückfedern – also dorthin zurückzukehren, wo man vorher schon war. Mit Antifragilität meine ich etwas anderes:

Antifragil zu sein heißt: durch genau das, was kommt, stärker werden.

In dieser Wartephase werde ich antifragil. Ich übe mich darin, die Kontrolle abzugeben, ohne in Ohnmacht zu fallen. Ich übe mich darin, eine zweite Stimme im Buch zu akzeptieren – die meines Verlegers, seines Teams. Ich übe mich darin, dass „fertig" nicht heißt: perfekt. Sondern: bereit, in die Welt zu gehen.


Was als Nächstes passiert

Der aktuelle Plan: Druckstart Anfang Juli, erste Exemplare im August, offizielle Veröffentlichung im Frühherbst 2026. Wie immer in der Verlagswelt können sich Termine verschieben – und genau dieses Loslassen-Üben gehört zu dem, wovon dieses Buch handelt.

Bis dahin werde ich hier auf diesem Blog regelmäßig aus der Werkstatt berichten. Was in den Lektoratsrunden besprochen wird (so weit ich es teilen darf), wie das Cover entsteht, wie sich das Gefühl verändert, einer Veröffentlichung entgegenzugehen.


Eine Einladung

Wenn Sie das Buch nicht verpassen möchten, schreiben Sie mir gern eine kurze Nachricht. Ich nehme Interessentinnen und Interessenten auf eine Liste, über die ich informiere, sobald das Buch bestellbar ist – und gegebenenfalls vor dem offiziellen Verkaufsstart erste signierte Exemplare anbiete.

Und wenn Sie selbst gerade an einer Schwelle stehen – beruflich, unternehmerisch, persönlich – dann ist dieser Werkstattbericht vielleicht auch eine kleine Erinnerung daran: Loslassen ist keine Schwäche. Es ist eine Disziplin. Und sie ist erlernbar.


Sigrun Römer ist Rechtsanwältin, Insolvenzverwalterin und Wohlstandsarchitektin. Sie begleitet Unternehmerinnen und Unternehmer durch alle Phasen unternehmerischen Lebens und ist Keynote Speakerin sowie Business Mentorin. Ihr erstes Buch Das Wohlstandsprinzip erschien bereits; ihr erstes großes Wirtschaftsbuch 10.000 Turnarounds erscheint im Herbst 2026 im Next Level Verlag.





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